Seit 06/2024
Assoziiertes Mitglied am Graduiertenkolleg 2304 „Byzanz und die Euromediterranen Kriegskulturen. Austausch, Abgrenzung und Rezeption“, Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
Seit 11/2023
Doktorandin an der Martin Luther Universität Halle-Wittenberg, Seminar für Slavistik/Globale Christentumsgeschichte mit Schwerpunkt Orthodoxie
Titel der Dissertation: Sakralisierung des Russisch-Ukrainischen Krieges in den Russisch- und Ukrainisch-Orthodoxen Kirchen: Konzeptionelle, theologische und rituelle Dynamiken und Konkurrenzen
Sakralisierung des Russisch-Ukrainischen Krieges in den Russisch- und Ukrainisch-Orthodoxen Kirchen: Konzeptionelle, theologische und rituelle Dynamiken und Konkurrenzen
Seit Beginn des von Russland am 24. Februar 2022 ausgerufenen Angriffs- und Eroberungskrieges gegen die Ukraine werden die divergierenden Diskurspositionen der Russisch- und Ukrainisch-Orthodoxen Kirchen sowie der Orthodoxen Kirche der Ukraine in Wissenschaft, Medien und Politik verstärkt in den Vordergrund gerückt und kritisch beleuchtet. Unter der Fragestellung, ob es sich bei den Kirchen in der Kriegsgegenwart um friedensstiftende oder vielmehr kriegstreibende Kräfte handeln würde, wird zunehmend auf konkrete religiöse und außerreligiöse Friedens- sowie Kriegsdiskursdynamiken verwiesen.
So kultiviert Patriarch Kirill (Gundjaev), der Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche, im gegenwärtigen Russisch-Ukrainischen Krieg in seinen Predigten, religiös-theologischen Stellungnahmen sowie rituellen Handlungen fortwährend eine Kriegstheologie, welche sich auf eine Begründung und Rechtfertigung des Krieges im Sinne eines sakralen Krieges ausrichtet, Staatsmacht und Militär uneingeschränkte Unterstützung und Absolution zuspricht, den Segen für das Kriegsvorhaben erteilt und den Sieg Russlands beschwört. Kennzeichnend ist dabei eine umfassende Sakralisierung des Krieges durch einen repetitiven Rückgriff auf hegemoniale Raumkonzepte, Bibelpassagen, Ikonen, Hagiografien, Gebete, Kirchenarchitektur und ihre spezifische Gedenkfunktion, welche in den Dienst der Kriegsgegenwart und ihrer Legitimierung gestellt werden. Der Geistliche rechtfertigt den Krieg als Kampf für die Einheit der Kiewer Rus‘ und Russisch-Orthodoxen Kirche, überhöht diesen als endzeitlichen Kampf für die menschheitliche Errettung und ruft Geistlichkeit, Bevölkerung und Militär zu Selbstaufgabe und Märtyrertum im Namen Christi auf. Die schrecklichen Folgen des Krieges erwähnt der Vorsteher nicht, sondern behauptet vielmehr ein von den in das sakral aufgeladene, hegemoniale Konzept der Russischen Welt und die beanspruchte territoriale und religiöse Einheitsordnung eingefassten Ländern gemeinsam geteiltes Leid („Und wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit“, 1 Kor 12,26).
Einer solchen umfassenden Kriegsrechtfertigung können jedoch auch Deutungskonkurrenzen und somit divergierende Dynamiken der (De)Sakralisierung entgegengesetzt werden, welche sich im Falle jüngster ukrainisch-orthodoxer Stellungnahmen zum einen auf die Betonung des unermesslichen Wertes des menschlichen Lebens ausrichten, zum anderen jedoch auch eine Dekonstruktion des von Patriarch Kirill behaupteten sakralen Krieges anstreben und diesen im Sinne eines Verteidigungskrieges oder auch unausweichlichen Kampfes für den gerechten Frieden sakralisieren. Auch die Diskursbeiträge der Vorsteher, Metropolit Onufrijs (Berezowskij) und Metropolit Epifanijs (Dumenko), sowie weiterer Würdenträger und Geistlicher der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche und Orthodoxen Kirche der Ukraine formieren sich dabei in stetigem Austausch mit außer-religiösen Handlungssphären, zu welchen insbesondere staatliche, militärische und gesellschaftliche Institutionen zugehörig sind. Die entsprechenden Aushandlungsprozesse sind dabei von der Inanspruchnahme spezifischer konzeptioneller, theologischer und ritueller Narrative und Motive durchzogen, welche partiell aus der Diskurslogik Patriarch Kirills herausgelöst, resakralisiert und als legitimatorische Instanz in die eigene Kriegsdiskursposition und Widerstandsbekundung eingeordnet werden, darunter beispielsweise sakrale Raumkonzepte wie die Kiewer Rus‘ oder die daraus hergeleitete Vorstellung von einem Kiewer Christentum.
Durch die Analyse konzeptioneller, theologischer und ritueller Dynamiken der (De)Sakralisierung des Krieges in den Russisch- und Ukrainisch-Orthodoxen Kirchen nach dem Zerfall der Sowjetunion wird ein erklärender Zugang zur Kriegsgegenwart, den jüngsten Kriegs- und Friedensdiskurspositionen sowie zugrundeliegenden Kriegsdeutungen ermöglicht. Verbunden mit repräsentativen theologischen und kanonischen Bestimmungen zu Krieg, Frieden und Wehrdienst, der Ausarbeitung und Rezeption übergreifender einschlägiger kriegstheoretischer und friedensethischer Konzepte (u. a. des gerechtenFriedens sowie des sakralen und gerechten Krieges), Konzeptionen (Kiewer Rus‘, Kiewer Christentum und Russische Welt), und vor dem Hintergrund der Geschichte der Russisch- und Ukrainisch-Orthodoxen Kirchen, ihrer Rolle in der postsowjetischen Periode und ihrem Zusammenspiel mit Staatsmacht, Militär und Gesellschaft, wird eine Einordnung der Diskursbeiträge in den umfassenden Horizont der interdisziplinären (De)Sakralisierungsforschung angestrebt.
| Seit 06/2024 | Assoziiertes Mitglied am Graduiertenkolleg 2304 „Byzanz und die Euromediterranen Kriegskulturen. Austausch, Abgrenzung und Rezeption“, Johannes Gutenberg-Universität Mainz. |
| Seit 11/2023 | Doctorate student, Martin Luther University Halle-Wittenberg, Seminar for Slavic Studies/Global History of Christianity with a focus on Orthodoxy Titel of the Dissertation: Sacralisation of the Russian-Ukrainian War in the Russian and Ukrainian Orthodox Churches: Conceptual, theological and ritual dynamics and competitions. |
| 09/2019 – 03/2023 | Martin Luther University Halle-Wittenberg, Master’s programme in Slavic Languages, Literatures and Cultures (focus on Southeast European and Russian Studies) Thesis: Justification of the Russian-Ukrainian War in the sermons of Patriarch Kirill I.: On war theological tendencies in the sermons and further discourse contributions of Patriarch Kirill I. during the Russian-Ukrainian War from February to November 2022. |
| 04/2019 – 02/2023 | Martin Luther University Halle-Wittenberg, Master’s programme in Cultures of the Enlightenment Thesis: The understanding and criticism of humanism in the Russian Orthodox Church: On the criticism of humanism and the resulting constitution of a specific understanding of humanism in discourse contributions by Russian Orthodox clergy. |
| 10/2015 – 04/2019 | Martin Luther University Halle-Wittenberg, Bachelor’s degree programme in Political Science/American and European Studies |
| 03/2020 – 04/2020 | Honorary contract, Leibniz Centre for Literary and Cultural Research Activities: Obtaining author’s rights for the publication of texts in the anthology Immortality – Slavic Variations as well as independent translations |
| 05/2020 – 02/2024 | Research assistant with degree, Martin Luther University Halle-Wittenberg, Institute of Slavic Studies Activities: Support in research projects and organisational activities, organisational activities (library, source research and editing) |
| 03/2022 – 03/2023 | Honorary contract Interdisciplinary research group Empathy-Taboo-Translation Activities: Collaboration on the MIR project and participation in the preparation of a project on Dostoevsky’s anthropology |